Wasserstart lernen: Schritt-für-Schritt für Fortgeschrittene

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Der Wasserstart ist der wichtigste Schritt vom Anfänger zum echten Windsurfer
  • Grundvoraussetzung: sicheres Halten der Schottleine und Körperkontrolle auf dem Board
  • Häufigster Fehler: zu früh auf das Board steigen – warte bis der Wind das Segel hebt
  • Übungszeit bis zum ersten sauberen Wasserstart: je nach Bedingungen 2–5 Sessions

Der Wasserstart ist der Moment, auf den du als Windsurfer hinarbeitest. Kein mühsames Hochziehen des Segels mehr – der Wind hebt dich direkt aus dem Wasser auf das Board. Klingt cool, fordert aber Technik, Timing und die richtigen Bedingungen. Lars zeigt dir, wie du es lernst – Schritt für Schritt.

Was ist der Wasserstart – und wann ist er sinnvoll?

Beim Wasserstart liegst du im Wasser, hältst den Gabelbaum, positionierst das Segel gegen den Wind – und lässt dich vom Windruck aktiv auf das Board und in den Stand heben. Der große Vorteil gegenüber dem klassischen Hochziehen: Du sparst enorm Kraft, wirst nie erschöpft und kannst auch in kräftigem Wind (ab etwa 15 Knoten) entspannt wieder auf das Brett. Wer den Wasserstart beherrscht, öffnet sich die Türen zu Freeride, Wave und Freestyle.

Voraussetzungen: Das solltest du vorher können

  • Sicheres Halten der Schottleine: Du musst das Segel auch im Wasser kontrolliert halten können, ohne es zu verlieren
  • Segel aus dem Wind drehen: Wenn das Segel im Wasser liegt, musst du es durch Drehen der Führungshand in die Neutralposition bringen
  • Grundlegendes Gleichgewicht auf dem Board: Wenigstens 10 Minuten Gleitfahrt ohne Sturz
  • Richtige Windstärke: Für das Üben des Wasserstarts ideal sind 15–20 Knoten – genug Wind um gehoben zu werden, aber noch kontrollierbar

Schritt 1: Das Segel aus dem Wasser heben

Du liegst im Wasser, das Segel liegt flach auf der Oberfläche. Erste Aufgabe: Das Segel so drehen, dass der Mast quer zum Wind zeigt und die Segel-Vorderkante (Vorliek) dem Wind entgegensteht. Dann: Führungshand (vordere Hand) greift den Gabelbaum weit vorne, Schotthand (hintere Hand) zieht den Gabelbaum leicht an. Das Segel beginnt sich zu füllen und hebt sich aus dem Wasser. Jetzt kommt der entscheidende Moment: Nicht zu früh auf das Board steigen!

Schritt 2: Das Board positionieren

Während du das Segel hältst, positionierst du das Board mit deinen Beinen quer zum Wind – das Board sollte mit der Nase leicht schräg nach vorne zeigen. Deine Füße liegen locker auf dem Board, die Knie sind gebeugt. Das Board muss ruhig im Wasser liegen, bevor du versuchst aufzustehen – sonst verlierst du im entscheidenden Moment das Gleichgewicht.

Schritt 3: Der eigentliche Wasserstart

Jetzt zieht der Wind am Segel und du spürst deutlichen Zug nach oben und vorne. Verlagerung des Gewichts auf die hintere Hand, Schott leicht anziehen – das Segel öffnet sich voll und der Windruck hebt dich quasi auf das Board. Gleichzeitig streckst du die Beine durch und kommst in den Stand. Der Schlüssel: Den Zug des Segels nutzen – nicht dagegen ankämpfen. Lass den Wind die Arbeit machen.

Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Zu früh aufstehen wollen: Warte bis das Segel wirklich voll im Wind steht und zieht – erst dann strecken
  • Board zu quer zum Wind: Das Board muss leicht in Fahrtrichtung zeigen, sonst bricht der Wind das Manöver ab
  • Schotthand zu weit hinten: Hintere Hand zu weit am Gabelbaum hinten dreht das Segel raus – Kraft verpufft
  • Kopf runter: Immer nach vorne und oben schauen – nicht auf die Füße
  • Falsche Windstärke: Unter 12 Knoten ist es kaum möglich, sich heben zu lassen – erst ab 15 Knoten üben

Tipps für schnelles Lernen

Übe den Wasserstart zuerst in flachem, hüfttiefem Wasser – so kannst du jederzeit stehen und das Segel neu positionieren ohne Energie zu verschwenden. Video-Feedback ist extrem hilfreich: Lass dir deine Sessions filmen und schau dir die Fehler von außen an. Und ganz wichtig: Ein VDWS-lizenzierter Instructor der einmal drüber schaut spart dir Wochen des Frustierens.

Fazit: 5 Sessions bis zum Wasserstart

Wer die Voraussetzungen mitbringt, kann den Wasserstart realistisch in 3–5 Sessions lernen – bei den richtigen Bedingungen (15–20 Knoten, flaches Wasser, genug Platz zum Üben). Der Moment wenn du zum ersten Mal sauber aus dem Wasser auf das Brett steigst, ist eines der besten Gefühle im Windsurfsport. Gib nicht auf – es lohnt sich.

Lars Brinkmann

Autor: Lars Brinkmann

Lars surft seit über 15 Jahren – von der Nordsee bis nach Tarifa. Als lizenzierter Windsurfinstruktor (VDWS Level 4) hat er hunderte Einsteiger und Fortgeschrittene aufs Board gebracht. Sein Spezialgebiet: Freestyle-Tricks und die perfekte Ausrüstungswahl für jeden Fahrertyp. Wenn er nicht gerade auf dem Wasser ist, testet er neue Boards und Segel für unser Magazin.